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Erklärung zu Honoraruntergrenzen des Musikrates

Der Deutsche Musikrat hat seine aktualisierten Empfehlungen für Honoraruntergrenzen in der Musikpädagogik veröffentlicht. Ab dem 1. März 2026 werden Honorare von bis zu 89,- Euro pro Zeitstunde als angemessen betrachtet. Was als notwendiges Signal für die Wertschätzung des Berufsstandes gedacht ist, löst bei den freien Musikschulen in Deutschland massive Existenzängste aus. Ohne eine flankierende staatliche Förderung droht der freien Szene die Zahlungsunfähigkeit – oder ein drastischer Anstieg der Unterrichtsgebühren, der Musikunterricht zum Luxusgut macht.

Wer bezahlt die Rechnung?

Im Gegensatz zu kommunalen Musikschulen finanzieren sich freie Träger fast ausschließlich über Elternbeiträge. Eine Umsetzung der empfohlenen Honorarsätze von 56,- Euro (für 45 Min.) bzw. 74,- Euro (für 60 Min.) würde eine massive Erhöhung der monatlichen Gebühren erfordern. „Wir unterstützen das Ziel fairer Honorare ausdrücklich. Aber ohne staatliche Zuschüsse müssten wir die Kosten eins zu eins an die Familien weitergeben“, erklärt Mario Müller, Vorsitzender des bdfm e.V. . „Das würde bedeuten, dass Musikunterricht für Kinder aus einkommensschwachen Familien oder der Mittelschicht schlicht unbezahlbar wird. Die soziale Sprengkraft dieser Empfehlung ist enorm.“

Wettbewerbsverzerrung und drohendes Sterben freier Träger

Während kommunale Musikschulen Defizite oft durch den Haushalt der Städte und Gemeinden ausgleichen können, stehen freie Musikschulen im harten wirtschaftlichen Wettbewerb. Die Honoraruntergrenzen des Musikrats orientieren sich an tariflichen Entwicklungen im öffentlichen Dienst, ohne dass die freien Träger Zugang zu denselben Fördertöpfen haben. Die Folgen der aktuellen Empfehlung ohne politische Absicherung sind fatal:

  • Marktverdrängung: Kleine, freien Musikschulen können diese Sätze nicht erwirtschaften
    und müssen schließen.
  • Bildungsungerechtigkeit: Musikalische Bildung wird noch mehr zu einer Frage des
    Geldbeutels.
  • Fachkräftemangel: Wenn Schulen schließen, verschwinden auch die Arbeitsplätze für
    Honorarkräfte – das Gegenteil dessen, was der Musikrat bezweckt.

Förderung statt nur Empfehlung

Die freien Musikschulen fordern den Deutschen Musikrat und die politischen Entscheidungsträger auf Landes- und Kommunalebene auf, die Empfehlungen an reale Förderkonzepte zu koppeln. „Es ist wohlfeil, Honorarstandards zu fordern, ohne die Finanzierungsgrundlage zu klären“, so Mario Müller weiter. „Wenn der Musikrat von der ‚Wertschätzung der Arbeit‘ spricht, muss die Politik diese Wertschätzung durch eine institutionelle Förderung ausdrücken, die auch die freie Szene erreicht. Andernfalls riskieren wir den Kollaps einer Bildungslandschaft, die einen Großteil der musikalischen Nachwuchsarbeit in Deutschland leistet.“

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